Gebäudehüllen-Profis machen Städte lebenswerter

In unserer losen Folge «Green Talk» unterhalten wir uns mit führenden Köpfen aus der Welt der Architektur, des Bauens und der Städteplanung. Dabei geht es uns um Themenwelten rund um nachhaltige Architektur, Klimaverbesserung in Städten und die Massnahmen am Bau. Daniel Hauri von skygardens im Gespräch mit Walter Bisig, Präsident Gebäudehülle Schweiz, zum Stellenwert von Dach- und Fassadenbegrünung in der Gebäudehüllen Branche.

Dani Hauri:
Walter, über Klimawandel und überhitzte Städte wird oft diskutiert und jeder spürt es am eigenen Leib. Wie können wir das Thema angehen?

Walter Bisig:
Das Thema ist seit längerem bekannt. Aus diesem Grund werden mehr und mehr Flachdächer bekiest oder begrünt oder eine Gartenanlage realisiert. In der Schweiz gibt es im Vergleich zu Österreich oder Deutschland nur wenige Dächer ohne Schutz- und Nutzschicht. Aufklärung über die technischen Möglichkeiten sind Themen, die durch gezielte Publikationen gefördert werden müssen, um in der breiten Öffentlichkeit anzukommen.

Dani Hauri:
Heute gewinnt in Österreich und Deutschland kaum ein Objekt einen Architekturwettbewerb, welches nicht begrünt ist. Sind die Schweizer Unternehmer bereit für den Gebäudebegrünungs-Boom, der sich auch in der Schweiz abzeichnet.

Walter Bisig:
Die Mitglieder von Gebäudehülle Schweiz kennen sich mit Dachbegrünung aus. Der Bauherr muss sich aber auch bewusst sein, dass eine begrünte Gebäudehülle pflege und Kontrolle braucht. relativ neu ist das Begrünen von Fassaden, das mich sehr fasziniert.
Die Städteplaner, Architekten und ökologischen Fachstellen sind gute Ansprechgruppen, um einen Sprung nach vorne zu machen

Dani Hauri:
Wie aktuell ist das Thema an der Basis, also bei den Dach- und Fassaden-Unternehmern.

Walter Bisig:
Wir vom Verband sind aktiv und machen die Basis auf Veränderungen aufmerksam. Sei dies an Fachtagungen und in Publikationen des Verbandes. Die Umsetzung ist grundsätzlich kein Problem, der Entscheid muss jedoch oft der Bauherr oder der Architekt selbst treffen. Ausser wir als Gebäudehüllenspeziallisten- oder Berater sind am Entscheid schon früh miteingebunden.

Dani Hauri
Gebäudehülle Schweiz ist das Kompetenzzentrum der Gebäudehüllen-Branche. Ist das Thema Gebäudebegrünung bereits in der Ausbildung eingeflossen?

Walter Bisig:
Extensive und intensive Begrünungen im Flachdach sind schon länger ein Ausbildungsbestandteil. Durch die zunehmende Flächenversiegelung und Starkniederschläge werden zudem immer mehr Flachdächer als Retentionsbecken genutzt, was in Kombination mit der Begrünung sehr gut funktioniert.
Die Fassadenbegrünung ist ebenfalls höchst interessant und optisch ansprechend, aber im Moment wird es in der Umsetzung und im Unterhalt noch als relativ kostspielig empfunden. Auch der Brandschutz bei Gebäuden über 11 m spielt da eine wichtige Rolle, denn auch Pflanzen müssen diese Vorgaben einhalten. Dazu gibt es aber gute Lösungen. In der Aus- und Weiterbildung wird die Fassadenbegrünung noch nicht ausgebildet. Der Trend ist aufgenommen und wird einfliessen.

Dani Hauri
Ist eine Kooperation zwischen Fassadenbauern, Dachdeckern und Begrünungs-Profis sinnvoll und machbar?

Walter Bisig:
Ja natürlich sind Kooperationen sinnvoll, diese bestehen bereits seit vielen Jahren in technischen Kommissionen und Verbänden. Bei diesen Kompetenz-Herausforderungen ist es unerlässlich, dass wir mit den Profis mit entsprechender Begrünungskompetenz ins Team aufnehmen und kooperieren.
So kann es durchaus Sinn ergeben, wenn der Fassadenbauer die ganze Unterkonstruktion erstellt und der Begrünungs-Profi die Bepflanzung, die Bewässerung und den Unterhalt an der Fassade.
Dies hat den Vorteil, dass der Bauherr kompetente Ansprechpartner sowohl im Fassadenbau als auch in der Begrünung hat.

Dani Hauri
Gebäudebegrünung sorgt für ein angenehmeres Wohnklima und Biodiversität. Sieht der Verband auch einen wirtschaftlichen Nutzen für den Unternehmer? Nehmen die Unternehmer die Chance auch aktiv wahr?

Walter Bisig:
Die Gebäudebegrünung ist aufwändiger im Unterhalt, vor allem bei der Fassadenbegrünung. Rein werbetechnisch sind bei uns solche Fassadengestaltungen richtige Hingucker. Wenn ein Unternehmer die Möglichkeit erhält, setzt er diese gerne um. Wie bereits erwähnt sind es meist Architekten und Bauherren, die diese Entscheidung gemeinsam fällen. Wenn ein Gebäudehüllenbetrieb eine grüne Fassade realisieren kann ist es ein Hingucker und wird gleichzeitig zum Prestigeobjekt.

Dani Hauri:
Walter, was ist Deine persönliche Vision als Präsident des Verbandes Gebäudehülle Schweiz bezüglich Gebäudebegrünung?

Walter Bisig
Zurzeit gibt es schon einige sehr gute Objekte mit begrünten Steildächern und Fassaden. Diese Objekte gefallen und leisten einen grossen ökologischen Nutzen wie Reduktion der Luftbelastung, erhalt der Biodiversität, Reduktion der Temperatur und die Verdunstungsfeuchtigkeit. Ich wünsche mir, dass die Zusammenarbeit zwischen unseren Unternehmern und der Begrünungsspezialisten ausgebaut und gestärkt wird. Es braucht beide Fachunternehmer, damit die Begrünung an der Gebäudehülle ein Erfolg werden kann.

10.06.2021

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